Anders als die meisten Risiken in einem Transformationsprogramm hat dieses ein festes Datum. Die Mainstream-Wartung für die SAP Business Suite 7 läuft aus — und mit ihr verschwindet der Komfort, ein Projekt „dann irgendwann" anzugehen. Wer die Eckdaten kennt, plant nicht in Panik, sondern rückwärts vom Termin.
Die Fakten zur Deadline
- 31.12.2025: Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 mit Enhancement Packages 0–5 — bereits ausgelaufen.
- 31.12.2027: Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 mit Enhancement Packages 6–8.
- bis 31.12.2030: Extended Maintenance gegen Aufpreis — nur für EHP 6–8 und mit technischen Voraussetzungen über die gesamte Landschaft.
- danach: Customer-Specific Maintenance — keine regulären Security-Updates, keine gesetzlichen Anpassungen, keine funktionalen Erweiterungen.
- S/4HANA: Support durch SAP zugesichert bis mindestens 2040, über alle Betriebsmodelle hinweg.
Was die Deadline wirklich erzwingt
Der naheliegende Reflex ist, den Termin als technisches Problem zu lesen: System wechseln, Daten migrieren, fertig. Doch der eigentliche Engpass ist selten die Technik. Er liegt darin, dass eine feste Deadline keinen Puffer für die menschliche Seite lässt — und genau dort entscheidet sich, ob der Rollout den versprochenen Wert realisiert.
Ein fester Termin verzeiht keine versteckten Risiken. Er bringt sie nur später ans Licht — beim Go-Live.
Warum der Termindruck die Risiken verschärft
Je enger der Zeitplan, desto stärker wirken die typischen Muster eines Rollouts:
- Key-User-Überlastung: Unter Termindruck tragen wenige Schlüsselpersonen noch mehr Last — und werden zum Einzelrisiko.
- Adoption unter Druck: Wird Schulung zur Pflichtübung vor dem Cutover, wächst die Lücke zwischen „geschult" und „genutzt".
- Datenmisstrauen: Wer der Migration nicht vertraut, pflegt still Schattenstände weiter — und nimmt das Chaos mit.
Keines dieser Signale steht im Projektplan. Sie leben in den Köpfen der Menschen, die den Rollout täglich tragen.
Was am Ende auf Ihrem Tisch landet
Ein S/4HANA-Programm bindet über Jahre Budget, Schlüsselpersonen und Management-Aufmerksamkeit. Läuft es aus dem Ruder, trägt nicht das Projektteam die Konsequenz, sondern die Person, die für das Programm geradesteht: Sie.
- Budget ohne Rückfahrkarte: Die Mittel sind committet, der Termin ist fix. Jede Verzögerung verlängert die Doppelbelastung aus Altsystem und Projekt — und schlägt direkt auf Ihre P&L durch.
- Produktivitätsverlust beim Go-Live: Brechen Durchlaufzeiten ein und flüchten Teams in Workarounds, sinkt die Leistung genau in den Zahlen, die Sie nach oben berichten.
- Der grüne Bericht, der nicht hält: Im Steering steht alles auf grün. Im Aufsichtsrat erklären Sie später, warum der versprochene Wert ausbleibt — mit einem Status, der die eigentlichen Risiken nie gesehen hat.
- Sunk Cost statt Wertbeitrag: Studien von McKinsey und der University of Oxford zeigen, dass große IT-Programme im Schnitt 45 % über Budget laufen und 56 % weniger Wert liefern als geplant. Ein fixer Termin macht aus diesem Muster eine persönliche Rechtfertigung.
Das Unangenehme daran: Keines dieser Risiken kündigt sich im Projektplan an. Es entsteht in den Köpfen der Menschen, die den Rollout tragen — und wird sichtbar, wenn der 31.12.2027 keine Korrektur mehr zulässt. Genau dann ist die Rechnung am höchsten und Ihr Handlungsspielraum am kleinsten.
Die Deadline als Chance
Ein fester Termin ist unbequem — aber er ist auch das beste Argument, ein Projekt sauber aufzusetzen, statt es weiter zu verschieben. Die Frage ist nicht, ob Sie migrieren, sondern ob Sie mit Daten in jedes Steering gehen oder mit einem Bauchgefühl, das der 31.12.2027 nicht verzeiht.