Jedes größere ERP-Programm hat sie: ein paar Key User, die nicht nur ihr Modul kennen, sondern auch die Geschichte dahinter — warum ein Prozess so läuft, wie er läuft, und welche Ausnahme im Altsystem nie dokumentiert wurde. Diese Menschen sind Gold wert. Und genau deshalb sind sie das größte Einzelrisiko im Projekt.
Die unsichtbaren Tragpfeiler
Wissen konzentriert sich. In der Praxis tragen oft vier bis fünf Personen einen unverhältnismäßig großen Teil der Rollout-Last — als Übersetzer zwischen Fachbereich und Projekt, als Trainer, als letzte Eskalationsstufe. Solange sie verfügbar sind, kaschiert ihr Einsatz strukturelle Lücken. Das Projekt fühlt sich stabil an, ist es aber nicht.
Eine Schlüsselperson, die mitten im Rollout abspringt, nimmt Wissen mit, das in keinem System steht.
Warum Überlastung im Reporting fehlt
Überlastung erscheint in keinem Projektplan. Sie zeigt sich in längeren Antwortzeiten, in Aufgaben, die an einer Person hängen bleiben, in einem Kalender ohne Lücken. Klassisches Reporting erfasst Arbeitspakete, nicht die Tragfähigkeit der Menschen dahinter. Wenn das Thema sichtbar wird, ist die Person meist schon am Limit — oder bereits auf dem Sprung.
Drei Fragen, die Sie heute stellen sollten
- Konzentration: An wie wenigen Personen hängt Ihr kritischstes Modul wirklich?
- Ausfallszenario: Was passiert konkret am Go-Live-Tag, wenn eine davon ausfällt?
- Wissenstransfer: Existiert das Prozesswissen irgendwo außer in einem Kopf?
Vom Einzelrisiko zur belastbaren Struktur
Die Lösung ist nicht, einzelne Helden noch stärker zu belasten, sondern Abhängigkeiten sichtbar zu machen und Wissen zu verteilen. Das beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wer trägt was, wer ist am Limit, wo fehlt die Redundanz. Sobald das auf dem Tisch liegt, wird aus einem stillen Risiko eine planbare Größe.